EcoFlow vs. Jackery: Powerstation für Camper im Test 2026
Elektrik Anfänger

EcoFlow vs. Jackery: Powerstation für Camper im Test 2026

EcoFlow DELTA 3 Max Plus oder Jackery 2000 Plus? LiFePO4, Ladezeit, 12V-Ausgang und Alternator-Ladung im Vergleich. Mit Kaufempfehlung.

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Tjark

Die Evolution der mobilen Energiearchitektur

Powerstations haben sich vom Nischenprodukt zum Standard für mobile Stromversorgung entwickelt. Zwei Marken dominieren den Markt: EcoFlow (gegründet 2017, Shenzhen) mit einem technokratischen, modular-expandierbaren Ansatz und Jackery (gegründet 2012, Kalifornien) mit Fokus auf Simplizität und Benutzerfreundlichkeit.

Dieser Vergleich geht über den Datenblatt-Vergleich hinaus. Wir analysieren die Integrationstiefe in moderne Fahrzeugarchitekturen (Euro 6 Smart Alternators), thermische Beständigkeit unter Dauerlast und softwareseitige Systemintelligenz — die Faktoren, die im Camper-Alltag wirklich zählen.

💡

Tipp: Wenn du dich für eine feste Elektrik-Installation statt einer Powerstation entscheidest, hilft dir unser Energiebedarfsrechner dabei, deinen tatsächlichen Tagesverbrauch zu ermitteln — die Basis für jede Kaufentscheidung.

Der Paradigmenwechsel: Von NMC zu LiFePO4

Ein entscheidender technologischer Wendepunkt, der ältere Vergleichstests irrelevant macht: Beide Hersteller haben in ihren Premium-Linien 2024/2025 fast vollständig auf LiFePO4 (LFP) umgestellt.

Eigenschaft LiFePO4 (LFP) NMC (Li-Ion alt)
Zyklen bis 80% Restkapazität 3.000-4.000 500-800
Theoretische Nutzungsdauer (tägl. Zyklus) 10+ Jahre ~2 Jahre
Thermal Runaway Risiko Sehr gering Vorhanden
Gewicht pro Wh Etwas schwerer Leichter
⚠️

Wichtig: Nicht alle Modelle beider Marken nutzen LFP. Ältere Jackery-Serien (Explorer 1000 Pro) setzen noch auf NMC. Achte beim Kauf immer auf die Zellchemie — nicht nur auf den Markennamen.

Was bedeutet das für dich?

Für einen Vanlifer, der täglich zykliert (Solar laden tagsüber, entladen nachts), verlängert sich die Nutzungsdauer von ca. 2 Jahren auf über 10 Jahre. LFP ist zudem chemisch stabiler — in der engen, schwer zugänglichen Einbausituation eines Vans ein essenzieller Sicherheitsfaktor.

Der große Vergleich: Die 2 kWh "Sweet-Spot" Klasse

Die Kapazitätsklasse um 2.000 Wattstunden hat sich als Standard für Van-Ausbauten etabliert. Sie bietet genug Puffer für 1-2 Tage Autarkie bei moderater Nutzung und lässt sich bei Bedarf erweitern.

Spezifikations-Matrix

Merkmal EcoFlow DELTA 2 Max EcoFlow DELTA 3 Max Plus Jackery Explorer 2000 Plus
Kapazität 2.048 Wh 2.048 Wh 2.042 Wh
Zellchemie LiFePO4 (3.000 Zyklen) LiFePO4 (4.000 Zyklen) LiFePO4 (4.000 Zyklen)
AC-Ausgang (Dauer) 2.400W 3.000W 3.000W
AC-Ausgang (Surge) 4.800W 6.000W 6.000W
Gewicht ~23 kg 22-23 kg 27,9 kg
Erweiterbar Bis 6 kWh Bis 10 kWh Bis 12-24 kWh
Solar-Eingang 1.000W (2× 500W) 1.000W (High Voltage) 1.400W (Low Voltage)
Spannungsbereich Solar 11-60V 11-60V (18A) 17,5-60V
DC-Ausgang (12V) 12,6V / 10A (KFZ) 12,6V / 30A (Anderson) 12V / 10A (KFZ)
Ladezeit (Steckdose) 80% in 53 Min 80% in 47 Min ~2 Std (voll)
Mobilität Tragegriffe Tragegriffe Rollen & Teleskopgriff
Preis (UVP) ~1.199€ ~1.599€ ~1.500€

Technische Architektur im Detail

Batteriemanagement (BMS)

Das BMS ist das Gehirn der Powerstation. Hier verfolgen beide Hersteller grundlegend verschiedene Philosophien:

EcoFlow — Aggressive Optimierung: - X-Stream-Technologie: Extrem hohe Ladeströme (0-80% in unter 60 Min) - DELTA 3 Max Plus nutzt "Full-Tab"-Zellen in Automobilqualität — weniger Innenwiderstand, weniger Abwärme - Dynamische Drosselung der Eingangsleistung bei Überhitzung - Granulare App-Steuerung: Laderate auf das Watt genau einstellbar

Jackery — Konservativer Ansatz: - Flachere Ladekurven, weniger Zellstress, aber längere Ladezeiten (~2 Std) - Sehr gleichmäßige Zellbalancierung — verlässlichere Spannungslage bei niedrigem Ladestand (SOC < 10%) - Weniger Konfigurationsoptionen, dafür stabilere Kernfunktionen

Wechselrichter: X-Boost vs. Surge

Beide setzen auf reine Sinuswelle, aber der Umgang mit Überlasten unterscheidet sich fundamental:

EcoFlow X-Boost: - Ermöglicht Betrieb von Verbrauchern oberhalb der Wechselrichter-Spezifikation - Funktioniert durch Spannungsabsenkung bei gleichbleibender Stromstärke - Beispiel: Ein 2.400W-Wechselrichter betreibt einen 3.000W-Fön — mit reduzierter Leistung, aber ohne Abschaltung - Vorsicht: Kann bei sensibler Elektronik zu Fehlfunktionen führen

Jackery Surge-Handling: - Echte kurzzeitige Bereitstellung von Strom (bis 6.000W Peak) - Ideal für Anlaufströme von Kompressoren (Klimaanlagen, Kühlschränke) - Für induktive Lasten wie eine Dometic-Dachklimaanlage oft verlässlicher als X-Boost

Praxis-Tipp: Für Kompressorkühlboxen und Klimaanlagen ist die reine Surge-Power (Jackery) zuverlässiger. Für resistive Lasten wie Wasserkocher oder Heizlüfter funktioniert X-Boost (EcoFlow) gut.

Das 12V-Dilemma: Der entscheidende Unterschied für Vanlifer

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen für professionelle Van-Ausbauten.

Jackery: 10A Limit — Das K.O.-Kriterium

Die meisten Jackery-Modelle (inkl. 2000 Plus) bieten nur eine 12V-KFZ-Buchse mit maximal 10 Ampere.

Das Problem in der Praxis: Eine Dieselstandheizung (z.B. Autoterm 2D) benötigt beim Vorglühen kurzzeitig 10-15 Ampere. Läuft parallel der Kühlschrank (4-5A Anlaufstrom), schaltet die Jackery wegen Überlastung ab. Die Heizung startet nicht oder verrußt durch Abbruch.

🚨

Jackery ist als zentrale Bordbatterie für Vans mit Dieselheizung ungeeignet — es sei denn, du baust eine komplexe Pufferbatterie-Lösung.

EcoFlow DELTA 3 Max Plus: 30A Anderson — Der Gamechanger

Die DELTA 3 Max Plus verfügt über einen dedizierten Anderson Powerpole Ausgang mit 30 Ampere (~378 Watt).

Was das bedeutet: - Genug Strom für einen kompletten 12V-Sicherungskasten - Heizung, Kühlschrank und Licht gleichzeitig betreiben - Qualifiziert die EcoFlow als vollwertigen Ersatz für eine klassische Aufbaubatterie

Verbraucher Strom Jackery (10A) EcoFlow (30A)
Kompressorkühlbox 4-5A
LED-Beleuchtung 1-2A
Wasserpumpe 3-5A
Dieselheizung (Vorglühen) 10-15A ❌ Überlast
MaxxFan Dachlüfter 2-3A
Alles gleichzeitig 20-30A

Lichtmaschinen-Ladung: Laden während der Fahrt

Das Laden über die 12V-Steckdose (Zigarettenanzünder) ist mit ~100W extrem langsam (20h+ für Vollladung). Beide Hersteller bieten schnellere Lösungen — mit unterschiedlichen Tücken.

EcoFlow 800W Alternator Charger

  • Direkt an die Starterbatterie angeschlossen, bis zu 800 Watt Ladeleistung
  • Lädt eine 2 kWh Batterie in ca. 2,5 Stunden Fahrzeit
  • Bidirektional: Kann im Notfall die Starterbatterie laden (Starthilfe)
⚠️

Das Euro 6 / Smart Alternator Problem: Frühe Firmware-Versionen hatten massive Probleme mit intelligenten Lichtmaschinen (Sprinter ab 2016, Ford Transit). Die Lichtmaschine regelt die Spannung herunter wenn die Starterbatterie voll ist — der EcoFlow Charger interpretierte das als "Motor aus" und stoppte die Ladung. Ein fehlendes Zündungsplus-Kabel (D+ Signal) machte die Installation fehleranfällig. Aktuelle Firmware hat das weitgehend behoben, aber prüfe die Kompatibilität mit deinem Fahrzeug.

Jackery DC-DC-Ladegerät

  • Geringere Leistung (~600W), aber konservativerer Ansatz
  • Standardmäßig mit Zündungs-Signalkabel (Ignition Wire)
  • Lädt nur wenn Zündungsplus anliegt — umgeht die Smart-Alternator-Problematik komplett

Fazit Lichtmaschine: EcoFlow ist schneller, Jackery ist stressfreier "out of the box" bei modernen Fahrzeugen.

Solare Aufladung: Spannung vs. Stromstärke

EcoFlow: High Voltage / Reihenschaltung

EcoFlows MPPT-Regler tolerieren breite Spannungsbereiche (bis 60V, bei Pro-Modellen bis 150V).

Praxis-Vorteil: Zwei 100W-Module in Reihe = 36V bei 5,5A. Höhere Spannung bei niedrigem Strom bedeutet: - Weniger Leitungsverluste im Kabel - Dünnere Kabel möglich (4-6mm²) - Einfachere Dachdurchführung und Verlegung

Anschluss: XT60/XT60i — im DIY-Bereich Standard, günstige MC4-Adapter verfügbar.

💡

Hinweis: Der XT60i (mit zusätzlichem Pin) ist nötig, um bei EcoFlow Ströme über 8A freizuschalten. Ein normaler XT60 begrenzt die Ladeleistung künstlich.

Jackery: High Amperage / Parallelschaltung

Jackery limitiert die Eingangsspannung oft auf 60V, setzt aber auf hohe Ampere-Zahlen.

Praxis-Nachteil: - Parallelschaltung = höhere Ströme = dickere Kabel nötig - Bei Teilverschattung (häufig im Vanlife) ineffizienter - Proprietäre Stecker (DC7909/DC8020) — Adapter für Fremdmodule selten und teuer - Jackery empfiehlt offiziell keine Fremdmodule

Physische Konstruktion und Akustik

Design-Philosophie

EcoFlow optimiert auf Energiedichte pro Kilogramm. Flache Oberseite, seitliche Griffe — ideal für Festeinbau in Möbelzeilen. ~23 kg.

Jackery setzt auf Koffer-Design mit integrierten Rollen und Ausziehgriff. Erleichtert Transport, aber 27,9 kg und mehr Totraum beim Einbau.

Lüftergeräusch im Van

Lärmemission ist in der engen Kabine ein kritischer Faktor.

  • EcoFlow DELTA 3 Max Plus: Unter 30 dB bei moderater Last (bis 1.000W). Deutlich leiser als die erste DELTA-Generation ("Düsentriebwerk")
  • Jackery: Traditionell akustisch unauffälliger, aber unter Volllast ebenfalls hörbar
  • Beide: Bieten "Silent Modes" in ihren Apps, die die Laderate nachts drosseln

Ökosystem und Software

EcoFlow: Das modulare Kraftwerk

  • Smart Home Panel 2: Integration in die Hausverteilung (Netzumschaltung)
  • Power Kits: Komplette System-Hubs für Vans
  • Peripherie: Glacier Kühlschrank und Wave Klimaanlage per DC-Kabel — 30% effizienter durch Umgehung der DC→AC→DC Wandlungsverluste
  • App: Extrem granular (Ladegrenzen, Geschwindigkeit, Automatisierungen, Firmware-Updates). Kehrseite: Komplexität und gelegentliche Bugs

Jackery: Einfachheit als Prinzip

  • App: Grundlegende Überwachung via WiFi/Bluetooth, weniger überladen
  • Erweiterung: Simple Battery Packs zum Stapeln, keine Smart-Home-Integration
  • Philosophie: "Apple-Ansatz" — weniger Einstellungen, stabilere Kernfunktionen

Garantie und bekannte Schwachstellen

Beide bieten 5 Jahre Garantie (Industriestandard im Premium-Segment).

EcoFlow — Schwachstellen

  • Software-Instabilität: Neue Features kommen oft mit Kinderkrankheiten, die über Monate per Firmware gefixt werden
  • Komplexität: Die Fülle an Ports und Einstellungen überfordert technische Laien
  • Lüfter: Bei hohen Ladeströmen (X-Stream) thermisch aggressiv = Lautstärkespitzen
  • Support: Oft überlastet, setzt stark auf automatisierte Antworten

Jackery — Schwachstellen

  • 12V-Limit (10A): Für viele Vanlifer ein K.O.-Kriterium
  • Proprietäres Zubehör: Adapter für Solarpanels erschweren professionelle Installationen
  • Preis-Leistung: Oft teurer pro Wattstunde bei weniger Features
  • Langsameres Laden: ~2 Std vs. <1 Std bei EcoFlow

Welche Powerstation für welchen Camper-Typ?

Der "Plug & Play"-Camper

Profil: Mietcamper, Wochenend-Trips, Station flexibel zwischen Fahrzeug/Haus/Boot
Empfehlung: Jackery Explorer 2000 Plus
Warum: Rollen-Design, intuitive Bedienung, stressfreie Lichtmaschinen-Ladung. Für Kühlbox und Laptop reicht die Leistung, und die fehlende Komplexität ist hier ein Vorteil.

Der System-Integrator (Vanlifer)

Profil: Fester Ausbau, Dieselheizung, Dach-Solar, schnelle Ladung während der Fahrt
Empfehlung: EcoFlow DELTA 3 Max Plus
Warum: 30A Anderson-Ausgang eliminiert die separate Aufbaubatterie. 800W Lichtmaschinen-Ladung. Reihenschaltung von Solarmodulen spart Verkabelungsaufwand. Bietet die Leistung einer festen Victron-Installation im portablen Format.

Der Langzeit-Reisende (6+ Monate)

Profil: Dauerhafter Ausbau, hoher Verbrauch, maximale Autarkie
Empfehlung: Feste 12V-Anlage statt Powerstation
Warum: Bei Dauernutzung ist eine fest verbaute LiFePO4-Batterie mit Dach-Solar günstiger, leistungsfähiger und platzsparender. Nutze unseren Batterie-Berater und Solar-Berater für die Dimensionierung.

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Powerstation vs. feste 12V-Anlage: Die ehrliche Rechnung

Powerstation (EcoFlow DELTA 3 Max Plus) Feste Anlage (200Ah LiFePO4)
Kapazität 2.048 Wh 2.560 Wh
Kosten ~1.599€ ~800-1.200€ (komplett)
12V-Ausgang 30A (Anderson) Unbegrenzt (Sicherungskasten)
Solar Extern (XT60) Dach-fest (MC4)
Einbau Hinstellen 3-8 Std Installation
230V Ausgang Integriert Wechselrichter nötig (+150-300€)
Erweiterbar Bis 10 kWh (teuer) Sehr flexibel (günstig)
Lebensdauer 10+ Jahre 10+ Jahre
Portabel Ja Nein
💡

Fazit: Eine Powerstation ist bequemer und portabel. Eine feste Anlage ist langfristig günstiger, flexibler und leistungsfähiger. Für Mietcamper oder als Übergangslösung ist die Powerstation perfekt. Für den eigenen Ausbau lohnt sich die feste Installation fast immer.

Häufige Fehler beim Powerstation-Kauf

  1. Zu kleine Kapazität — Eine 256 Wh Station reicht nicht mal für eine Nacht mit Kühlbox. Minimum 1.000 Wh für ernsthafte Nutzung.
  2. NMC statt LFP kaufen — Ältere Modelle mit Li-Ion sind nach 500 Zyklen am Ende. Immer auf LiFePO4 achten.
  3. 12V-Ausgang ignorieren — 10A reicht nicht für Dieselheizung + Kühlbox gleichzeitig.
  4. Solar-Eingang nicht prüfen — Was nützt eine große Batterie, wenn du sie nur mit 100W Solar laden kannst?
  5. Peak-Leistung mit Dauerleistung verwechseln — Peak hält nur Sekunden. Deine Kaffeemaschine braucht Dauerleistung.
  6. Proprietäre Anschlüsse unterschätzen — Jackery-Adapter für Fremdmodule sind teuer und selten.
  7. Smart Alternator nicht berücksichtigen — Bei Euro 6 Fahrzeugen unbedingt Kompatibilität prüfen.

Fazit: Zwei Philosophien, ein Gewinner je nach Nutzung

EcoFlow gewinnt den technologischen Vergleich durch Innovationskraft und Integrationstiefe — 30A Anderson-Ausgang, 800W Alternator Charger, modulares Ökosystem. Für den Vanlife-Selbstausbau ist die EcoFlow DELTA 3 Max Plus das Referenzprodukt 2026.

Jackery behauptet sich als solidere, benutzerfreundlichere Option für Anwender, die keine komplexe Fahrzeugelektrik aufbauen wollen. Wer die Station zwischen Van, Garten und Haus flexibel nutzt, ist mit der Explorer 2000 Plus gut bedient.

Aber: Wenn du deinen Camper dauerhaft nutzt und mehr als ein Wochenende autark stehen willst, ist eine feste 12V-Anlage langfristig die bessere Investition — günstiger, leistungsfähiger und ohne die Limitierungen einer All-in-One-Box.

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